Hallo oder Hej wie der Schwede sagt

Veröffentlicht: 2. März 2015 in Radreise 2016

No Pain, no gain (Ohne Fleiß kein Preis) oder carpe diem (Nutze den Tag) sind nur zwei Schriftzüge, die in großen Lettern in meinem Fitness-Studio an den Wänden prangern. www.logofit-neustadt.de

 

Diese beiden Schriftzüge sind es, die mich täglich daran erinnern welches Ziel ich in meinem Leben noch erreichen möchte. Einmal mit dem Fahrrad von Deutschland über Dänemark nach Schweden in die Provinz Västernorrland. Das sind von hier bis zu meinen Freunden gut 1650 km und der Weg ist das Ziel….wieder so ein Spruch, aber dieser Weg ist der Schwedenweg oder wie die Schweden sagen…SVERIGELEDEN.

Der Schwedenweg erstreckt sich im Prinzip von Trelleborg im Süden bis Karesuando im Norden von Schweden.
Verschiedene Anschlußwege und Verästelungen führen dazu, dass es im Süden verschiedene Sverigeleden gibt. Auf dem Sverigeleden möchte ich z.B. von Helsingborg aus nach Vimmerby und weiter nach Linköping fahren. Über Falun und Sundsvall geht es dann weiter in Richtung Norden.
Der Sverigeleden ist nicht auf schnellstes Vorankommen, sondern auf die schönste und radfahrerfreundlichste Strecke ausgelegt. Er verläuft daher viel auf kleinen hübschen Nebenstraßen vorbei an atemberaubender Landschaft und vielen Sehenswürdigkeiten. http://www.svenska-cykelsallskapet.se
Derjenige, der diese Tour plant und von dem viele seiner Freunde sagen er hätte einen an der Waffel….der bin ich.

Ich heiße Andreas, bin mit Stand Januar 2015 schon 53 Jahre alt, habe eine intakte Familie, eine tolle Frau und tolle erwachsene Kinder sowie einen krisensicheren Beruf.

Ist genau das vielleicht der Grund warum ich mit dem Fahrrad nach Schweden fahren will? Fehlt da noch was in meinem Leben?

Dazu von mir ein ganz klares Nein, mir fehlt nichts in meinem Leben……aber wenn ich sage ich fahre mit dem Fahrrad nach Schweden dann fahre ich auch!!!

Dieser Weg, er wird kein leichter sein….wieder so ein Zitat, wird mich vielleicht auch mal an meine Grenzen bringen, denn wer weiß schon wie die äußeren Umstände so sind, bleibt man gesund, hält das Material und… und… und.

Es soll sich später aber auch keiner beschweren…ich habe gefragt und die Chance mich zu begleiten war da…und ist immer noch da.(lach !!!)

Genau wann ich den Entschluß gefaßt habe diese Tour zu planen und durchzuziehen kann ich auch nicht mehr sagen. Aber nachdem meine Freunde Silke und Tino mit Jenny, Tom und Hund Max von Deutschland nach Schweden auswanderten (das liegt auch schon wieder 5 Jahre zurück) lernte ich bei zahlreichen Besuchen die freundlichen Schweden und deren fantastische Landschaft kennen.
Ich war vom Schwedenvirus befallen und bewunderte das sog. Allemansrätten, das Jedermannsrecht, welches Dir in Schweden unter Einhaltung bestimmter Pflichten erlaubt, sich frei in der Natur zu bewegen, dort zu zelten und Feuer zu machen.

Bei einem dieser Besuche und sicherlich auch nach dem Genuss des ein oder anderen Kaltgetränks…:-) fiel der Satz von mir:

„Ich komme irgendwann mal mit dem Fahrrad nach Schweden gefahren.“

Fuuup….da war er nun dieser Satz. „Ich komme irgendwann……“

Und ich habe mich festgelegt, dieses Irgendwann wird im Juli und August 2016 sein…..das sind ja nur noch wenige Monate !!!
Ein neues Fahrrad muß her, ebenso ein leichtes komfortables Zelt, Kochgeschirr, GPS Gerät, Kamera … und …und… und

Alle die Lust haben mich hier auf meiner Reise virtuell zu begleiten sind herzlich eingeladen. In den kommenden Wochen und Monaten werde ich Stück für Stück berichten was ich mir für diese Reise zugelegt habe.
Von der Vorbereitung über meine Ausrüstung bis hin zu den einzelnen Tagesberichten, ihr könnt alle meine Aktivitäten hier einsehen.

Wenn alles so klappt wie ich es mir vorstelle, dann wird mein GPS gerät mit meinem Handy gekoppelt und über Livetracking erkennt ihr meinen aktuellen Tourverlauf und vieles mehr….

Ich freue mich….

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27. Tag Bergforsen-Gussjön (Schlußetappe)

Veröffentlicht: 6. August 2016 in Radreise 2016

 

Tageskilometer: 41,8 km

Anstieg: 342 m

Wetter: bedeckt, später starker Regen.

Die Nacht ist unruhig, ich kann nicht schlafen. Das liegt zum einen an den schwedischen Campern und zum anderen habe ich wohl doch in Gedanken die letzten Wochen Revue passieren lassen. Zu viele positive Eindrücke bleiben. Ja, ich war die meiste Zeit alleine und einsam….genau so wollte ich es aber auch. Im Nachhinein war es gut so, dass ich alleine fuhr.

Und nun werde ich die letzten Kilometer fahren. Immer auf der Straße 331, die mir so bekannt ist. Ich bin sie mehrmals gefahren, nur mit dem Auto. Ich weiß, es erwarten mich noch ein paar Hügel. Egal, mich hält nichts mehr auf.

Auch nicht mein Hinterrad. Ich checke noch einmal alles durch, ja zwei Speichen sind wieder locker…und Nr.6 im Gewinde gebrochen. Das alles wegen einem Schlagloch….Wahnsinn

Auswechseln, abhaken und ab geht der Norrlandexpress

Mit dem ersten Tritt in die Pedalen fängt es an zu donnern. Ein Zeichen? Ich fahre über die Staumauer des Wasserkraftwerks von Vattenfall. Ein paar Steigungen und hinter Åsäng krieg ich alles das von oben, was mir 4 Wochen vorenthalten wurde. Es schüttet aus  Eimern

Ich bleibe unter einer Fichte einigermaßen trocken.

Ich fahre nach 30 Minuten weiter, es hat aufgehört….kurzfristig

Kurz vor dem Ziel fahre ich noch zu einem Wasserfall, dem Västanåfallet. Auch hier war ich schon einige Male. Ich stärke mich mit Kaffee und Gladkaka.

Dann die letzten Kilometer. Der gefürchtete letzte Berg erweißt sich für mich wie ein kleiner Hügel. Ich bin klitschnaß aber glücklich. Dann das Empfangskomando. Peder, ein Nachbar von Silke und Tino, holt mich mit einem roten Damenrad seiner Mutter ab. Vorweg ein Pickup mit Warnblinklicht und Dauerhupe.

Dann der Finale Augenblick. Ich fahre durch die Beifall klatschende Freundeschaar in die Garage. Von Silke (Drottningen) bekomme ich eine Sektdusche.

Frisch geduscht gibt es einiges zu erzählen. Bei Smörgåstårta, Kuchen, Kaffee und Bier beginnen die Feierlichkeiten…….

Zum Abschluss sei erwähnt. Statt der geplanten 1650 Kilometer sind auf meinem Garmin exakt 1900 Km notiert.

Tag 27/27 ist geschafft…skål.

Tageskilometer: 76,4 km

Anstieg: 673 m

Wetter: bedeckt, 15 Grad

Heute Morgen wurde ich durch das tröpfeln des Regens auf mein Zelt geweckt. Draussen alles grau in grau und die Berge im Nebel….seit Beginn meiner Tour ist dies der erste Morgen ohne Sonne….Skandal

Ich schlief noch eine Weile weiter und begann spät mit den Vorbereitungen für die Abfahrt. Ja und ich mußte mit meinem Gespann noch den Hügel rauf. Linke Hand am Sattel, Rechte am Lenker und so zogschob ich nach oben.

Puh, geschafft. Nun noch hinter dem nächsten Baum die Knie krumm und los ging’s.

Eine frisch asphaltierte Straße ist herrlich.​

Ich kam zügig voran und erreichte die Region Västernorrland. Die Hauptstadt Sundsvall war voller Leben. Eine schmucke Stadt an der Sundsvallsbukten. 

Landschaftlich  war es  ohne große Höhepunkte. Wälder, Berge und Kilometerlange Anstiege und Abfahrten. Für das Auge aber immer wieder schön. Die Zeiten von kleinen Nebenstraßen war eh vorbei. Ich fahre auf einer Landstraße, allerdings mit wenig Verkehr. Erst im Bereich der großen Städte wie Falun, Bollnäs oder jetzt Sundsvall herrscht reger Verkehr. Hier werde ich aber wieder über Radwege geführt.

Nun war ich ja schon öfters in dieser Region und glaubte zu wissen, dass es von Sundsvall nicht mehr weit nach Timrå sei. Falsch geglaubt. Der Sverigeleden wird um die großen Berge herumgeführt und die Strecke wird länger und länger.

Der Weg nach Huli erweißt sich als so steil, ich muß mehrere Anstiege schieben….der Schweiß läuft.

Plötzlich ein wild hupender Autofahrer….ja ich fahre nicht auf dem Radweg….muss ich das hier?  Habe ich was verloren? Eiert mein Hinterrad? Nein, es war mein Freund Tino auf dem Weg von seiner Arbeit nach Hause….wo ich morgen sein will. Wir quatschen noch kurz und dann muss ich auch weiter….Durstgefühle stellen sich ein.

Gut 27 Kilometer nach Sundsvall erreiche ich Bergforsen. Direkt neben dem bekannten Lachsfanggebiet am Indalsälven liegt mein letztes Nachtlager, der Campingplatz Bergfors Parken.

Morgen dann meine Schlußetappe nach Sörgården an den Gussjön zu meinen Freunden und meiner dort auf mich wartenden Familie.

Tag 26/27 ist geschafft….Hejdå.

25. Tag Delsbo-Hassela Mörtsjön 

Veröffentlicht: 4. August 2016 in Radreise 2016

Tageskilometer: 71,82 km

Anstieg: 713 m

Wetter: Sonne-Wolken-Mix, 20 Grad, windstill

Mein ungutes Gefühl von gestern Nachmittag hatte sich noch am Abend bestätigt. Es fuhr sich zuletzt so, als säße jemand auf dem Gepäckträger und wackelt rum. Ich weiß nicht was da vor sich geht, 4 Speichen losegedreht, 1 Speiche gebrochen…..es ist der Wahnsinn.

Ich fahre nach Hassela mit einer Speiche weniger. Ob das gut geht? Ich brauche dringend Ersatz, denn die anderen noch verbliebenen Ersatzspeichen sind zu lang, das Gewinde würde mir den Schlauch zerstechen.

Ich versuche alles um die Tour nicht schon in Delsbo zu beenden. Irgendwie schlottern mir die Knie.

Auf geht’s !!!

Ich frage noch schnell den Platzwart ob er eine Fahrradwerkstatt kennt…ja kennt er, hier in Delsbo.

Der Hammer, ich dort hin, meine langen Speichen gegen passende getauscht, vor Ort schnell eingebaut und mein Gemütszustand verbesserte sich. Åkes Werkstatt repariert sonst nur Rasenmäher, Motorsägen und Quads….und Fahrräder.

Glücklich fahre ich los, zwar noch etwas eierig, aber es läuft.


Ich fahre in Delsbo an der wohl schönsten Kirche mit ihrem hölzernen Glockenturm vorbei, die ich bis dato gesehen habe.

In Friggesund zeigt mein Navi eine andere Strecke an….egal, ich fahre nach den Schildern des Sverigeleden. Nach 6 km ist mir das unheimlich, ich schaue auf meine Karten. Dort entspricht der Streckenverlauf dem meines Navis.

Also umdrehen und somit 12 km for nothing. Tack så mycket svenska Cykelsällskapet (schwedischer Fahrradverband und Herausgeber des Turist&Cykelguide.)

Nach 18 Kilometer geht die….Entschuldigung. Scheiße wieder los. Das Rad eiert dermaßen das ich anhalten muß. Also Anhänger ab, Taschen ab und Rad auf den Kopf stellen. Keine Speiche gebrochen, wenigstens etwas, aber mehrere sind lose.

Dank des von meiner Nachbarin Angelika besorgte Reparatursets der AOK konnte ich die Speichen festziehen.

Toi Toi Toi, bislang läuft alles rund. Das darf gerne so bleiben.

Hinter Hedvigsfors sehe ich im vorbeifahren ein Schild….5% Gefälle auf den nächsten 4 Kilometern. Ich freue mich wie Bolle…..oder waren es 5% Steigung?

Es waren natürlich Steigungen.

Aber auch die habe ich genommen, irgendwann.

Kurz vor Hassela stehen drei Radreisende Damen mittleren Alters am Straßenrand. Ich halte natürlich an und frage ob Hilfe benötigt wird. Nein, alles gut, nur Pause. Wie man sich doch mit ein paar Brocken schwedisch und Händen und Füßen verständlich machen kann. Die drei sind seit 5 Tagen unterweg und fahren von Lyksele (Lappland) bis nach Sandviken bei Gävle. Schnell noch winke winke in meine Kamera und unsere Wege trennen sich wieder.

Mein Tagespensum Hassela habe ich erreicht. Nun beginnt die Suche nach einem Nachtlager. Bis Sundsvall sind es noch 55 km. Mal sehen wie viele ich da noch von abknipsen kann.

Nicht mehr viele, ich halte am Mörtsjön Ausschau nach einem Lagerplatz. Ich fahre bestimmt noch 3 km von der Straße weg als eine Mutter mit ihrem Sohn auf Rädern entgegenkommt. Promt zeigt sie mir einen kleinen Weg an ihrem Grundstück runter zum See. Wie ich da allerdings morgen früh wieder hochschieben soll….Problem von Morgen.

Tag 25/27 ist geschafft.  Hejdå

24. Tag Bollnäs-Delsbo

Veröffentlicht: 3. August 2016 in Radreise 2016

Tageskilometer: 81,9 km

Anstieg:645 m

Wetter: Sonne-Wolken-Mix, 18 Grad, windstill.

Das war ja komisch heute morgen, habe ich mich doch nun nach Tourbeginn das zweite Mal von meiner Frau verabschiedet. Den gestrige Abend haben wir mit viel Erzählen und grillen verbracht. Eine entbehrungsreiche Zeit ging kurz zu Ende. Ein schwedisches fem Komma två Bier, hier als Starköl gehandelt, sowie irischer Kräutertee aus der Grafschaft Tullamore und 2 bis 37 Gummibärchen, wurden verköstigt. Da das Einstellen meines neuen Handys nicht so funktionierte wie gewünscht, gingen wir erst spät in den Schlafsack. In meinem kleinen Tunnelzelt war es mittlerweile durch die kalte feuchte Luft richtig muffig geworden. Nützt nichts…schlafen.

Um 9:30 Uhr setzte ich mich in Bewegung. Ohne große Einfahrzeit fuhr ich 14 Kilometer stetig bergauf. Oberhalb des Växjön erreichte ich Växbo. Es lief nicht rund…die Beine waren irgendwie wie Blei und der Asphalt rollte nicht wirklich.

Ich mußte mich heute innerlich zwingen zu fahren. Wehmut kam auf. All die Vorbereitungen und nun soll in 4 Tagen alles vorbei sein?

Aber ich genoß die grandiose Landschaft entlang des Flästasjön, Kyrksjön und Orsjön.

Hinter Iste das Bild des Schreckens.

In den folgenden 9 km Bauarbeiten…hieß dies wieder Schotterpiste?

Nun, es waren Soda Hinweisschilder…sie standen so da,  gearbeitet wurde die 9 km nicht….puh!!!

Mittagspause in Nor an der Badestelle. Ich fahre weiter….Nein was ist das. Das scheiß Hinterrad muckt auf. Tatsächlich, Speiche Nr.4 ist durch. Hab ja noch Ersatz und Wechsel aus. Danach rollt der Express, sind ja noch 24 Kilometer bis Delsbo.

Dann muss ich rechts abbiegen, noch 19 Kilometer. Mein Garmin sagt:…fährt auf Kalvstigen…

Stigen? Hat das nicht was mit steigen zu tun? Ja, ein Blick in den vor mir liegenden Bergrücken zeigt es deutlich. Eine steil nach oben führende und in S-Form verlaufende Straße. Ich Rolle nur noch zum Berganfang…schalte gleich in den 1. Gang und schiebe mich so Zentimeter für Zentimeter vorwärts. Bei sagenhaften 3,8 km/h muß ich aufpassen nicht umzukippen.

Aber dann habe ich es schweißüberstrõmt geschafft..haa haa……So lachte einst Tom Hangs in dem Film..geschenkt ist noch zu teuer…als die Badewanne den Fußboden des OG durchbrach und nach unten sauste. So lachte nun auch ich. Hinter jeder Kurve ging es immer weiter nach oben.

Ich wurde belohnt. Eine traumhafte Straße führte mich ins Tal. Dann zwei in weißer Folie verpackte Strohrollen. Darauf stand …Fika.

Zwei kleine Mädchen verkauften hier Kaffee und gebackene Kekse. Natürlich halte ich an und sehe glückliche Augen leuchten als ich mehr gebe als von mir verlangt.

Die letzten Kilometer bis Delsbo sind mit Angst behaftet. Hält das Hinterrad oder ist meine Tour vorzeitig zu Ende?

Ich habe noch zwei lose Speichen entdeckt, die ich noch fest drehen muß. Das Fahrverhalten wurde hingegen zunehmend schlechter, habe kein gutes Gefühl.

So nun erst einmal Zelt aufbauen und den Abend genießen. Morgen geht es weiter.

Tag 24/27 ist geschafft…hejdå

23. Tag Gruvberget-Bollnäs

Veröffentlicht: 2. August 2016 in Radreise 2016

Tageskilometer: 63,2  km

Anstieg: 295 m

Wetter: überwiegend sonnig, 18 Grad.

So eine ruhige Nacht, herrlich. Ich stehe wie gewöhnlich kurz nach 6 Uhr auf, es ist sonnig aber kalt. Rührei mit Baccon und starker Kaffee machen mich fit für den Tag.

6 Kilometer gemütlich von der Badestelle in Richtung Annefors. Es ist eine Traumstraße, wie auf einem Damm, flankiert von Leitplanken und beidseitig steil abfallendes Gelände. Es scheint, als würde ich durch die Baumwipfel fahren. Ich bin richtig gut gelaunt und singe gedanklich den Weltsong von Nana….lassen wir das. Ich hätte auch den Weltsong…Highway to hell von ACDC trällern können.

Da war sie wieder, die endlos verlaufende Schotterpiste. Bergab muß ich höllisch aufpassen, sonst verschlägt es mir das Vorderrad. Zum Glück ist der Untergrund einigermaßen fest. Ich küsse gedanklich den Erfinder des unplattbaren Reifens……doch noch bin ich nicht am Ziel.

Endlich, ab Annefors Asphalt. Schnell erreiche ich Alfta und schnell bin ich auch wieder raus. In Gundbo fahre ich auf das Gelände des hiesigen Heimatvereins. Ich befinde mich in Helsingland und hier wird ein Helsinger Hof dargestellt.

Ein netter Herr hißt die schwedische Nationalflagge und läd mich zu fika ein. Bei Kaffee und Bullar, wie hier die mit Zuckerstreuseln bestreuten Schokoladenkugeln heißen, erzähle ich meine Geschichte. Er holt einen Weltatlas und ich zeige ihm wo ich herkomme und wo ich hin will. Beim Blick auf die vielen Seiten Schwedens wird mir erstmals bewusst wie weit ich mit dem Fahrrad schon gefahren bin…verrückt!

In Bollnäs warte ich nun seit 13 Uhr auf die geplante Familienzusammenführung.

Shit…haben sie mich doch eingeholt. Mal sehen was meine Frau und mein Sohn und Kumpel Lukas so alles im Gepäck haben.

In diesem Sinne…

Tag 23/27 ist geschafft…hejdå

22. Tag Svärtsjön-Svartnäs-Gruvberget

Veröffentlicht: 1. August 2016 in Radreise 2016

Tageskilometer: 73,9

Anstieg: 704 m

Wetter: Sonne-Wolken-Mix, 15 Grad, windig. Kurzer Schauer.

Es sind diese Sonnenuntergänge, die irgendwie zufrieden machen….was will man mehr.

Als ich dann heute morgen aus dem Zelt kroch, war die Zeltplane richtig feucht obwohl es in der Nacht nicht regnete.

Obwohl ja bekanntlich nicht meine Musik, schoß mir sogleich der Weltsong von Nana Mouskouri in den Kopf……guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein….

So lieb ich es. Auf Grund der lieblichen Temperaturen von 6 Grad wabberten letzte Nebelschwaden über den See. Also nackig machen und in den 22 Grad warmen Svärdsjön springen. Absolute Morgenstille…fantastisch.

Noch schnell im ICA die Vorräte auffüllen und los. Meine Befürchtungen mit dem Navi zerschlagen sich, alles funktioniert.

Ja, ich bin in Sveden in  Schweden…eine Aufnahme von gestern.

Die ersten 25 Kilometer bis Svartnäs führten heute mehr oder weniger aufwärts. Für 11 Kilometer ins ehemalige Bergbaudorf Vintjärn benötige ich gefühlt 3 Stunden. Die Strecke entschädigt, ich lasse meine Blicke aufgeregt links und rechts der Straße schweifen…nichts, aber auch rein gar nicht’s zu sehen vom Tier der Schweden, dem Elch. Auch andere Tiere bleiben mir verborgen.

In Svartnäs dann die Entscheidung. Fahre ich 20 Kilometer bis Åmot und von dort 25 Kilometer bis Gruvberget, oder fahre ich von Svartnäs 20 Kilometer bis Gruvberget durch die Wälder.

Nun, meine Entscheidung steht. Die Mission heißt Erlebnis Sverigeleden, und der führt nun mal durch Åmot. Yeah, tschaka tschaka.

Die Strecke nach Åmot gleicht einem einzigen Triumphzug. Nur flach und frisch asphaltiert, dazu wenig bis kein Autoverkehr.

In Åmot trinke ich in einer Art Heimatmuseum mit integrierter Kunstausstellung Kaffee Påtor (soviel man will). Dazu selbstgemachte Kanelbulle (Zimtschnecke). Die freundliche Dame erklärt mir dann, dass Straßenbauarbeiten zwischen Åmot und Bollnäs stattfinden. Meine Stimmung kippt.

Die nächsten 25 Kilometer Schotterpiste, Geröll-Sand-Zement Gemisch, angefeuchtet für einen harten Untergrund. Dazu ca. 20 Lkw’s, die die Geschwindigkeit in meiner Höhe zwar drosseln, aber wer bremst…verliert. Dazu relativ hügelig….und so etwas mache ich freiwillig?….jawohl!

So viel Staub habe ich lange nicht mehr eingeatmet. Gedanken, ich sei ein Cowboy nach einem langen Ritt durch die Wüste, keimten auf. Die Gedanken warf ich aber schnell wieder weg. Der Cowboy hatte danach einem Saloon und eine Flasche Whisky….ich hatte Selter.

Die Badestelle für heute Nacht ist erreicht. Zelt aufbauen, Baden, Essen kochen, Lagerfeuer entfachen und die Ruhe genießen…hier bin ich mutterseelenallein. In diesem Sinne…

Tag 22/27 ist geschafft…hejdå

21. Tag Säter-Falun-Svärtjön

Veröffentlicht: 31. Juli 2016 in Radreise 2016

Tageskilometer: 79,9
Anstieg: 568

Wetter: Sonne-Wolken-Mix, 16 Grad, windig. Nachmittags wärmer, 20 Grad

So lange habe ich ja schon eine Ewigkeit nicht mehr geschlafen…12 Stunden. Völlig gerädert geht es um 8 Uhr weiter. Ich muß erst einmal den Sverigeleden bei Borlänge finden.

Entlang des Dalälven, einem großen Fluß in Schweden, fahre ich nach Torsång. Hier vereinen sich alle Verzweigungen des Sverigeleden.

Der Abschnitt 18 aus Stockholm, Abschnitt 16 aus Göteborg, Abschnitt 15 aus Nora/Siljan-See

Ich fahre noch auf Abschnitt 19 und später kurz auf der 17 bis Falun. Danach geht es auf Abschnitt 14 weiter Richtung Sundsvall.

Bis Falun sind die ersten 30 Kilometer eine ruhige Etappe, herrlich nach einem Ruhetag gemächlich zu beginnen. Falun begeistert mich, eine toll am Runn gelege Stadt. Hier stehen Häuser der gehobenen Kategorie.

Von weitem sieht man die gewaltige Sprungschanze aus den Bäumen empor ragen. Der Sverigeleden führt dort nicht lang…….dooooch!

Den Hügel hinter der Schanze muß ich hoch. Ich habe schon viele schöne Aussichten genossen, aber die nun folgende ist atemberaubend.

Blickt man einmal durch die im Vordergrund stehenden Bäume…eine tolle Fernsicht und Wald so weit das Auge reicht.

Die anschließende Fahrt ging durch kleine hübsche Dörfer steil auf und ab. Ich könnte jedes dieser tollen roten Häuser fotografieren..leisten kann ich sie mir nicht. Hier wohnen die Reichen und Schönen Faluns. Über Sundborn und Toftbyn ging es nach Svärdsjö. Hier werde ich die Nacht an der Badestelle verbringen.

Morgen hoffe ich mein Handy aufladen zu können. Heute klappte es am E-Werk. Nun fängt mein Garmin an zu spacken, es wird vom E-Werk nicht geladen. Auf dem Garmin ist die Strecke gespeichert und ich bin darauf angewiesen, denn die offizielle Beschilderung war zwischen Söderbärke und Torsång nicht vorhanden.

Alles wird gut…
Tag 21/27 ist geschafft….hejdå

20. Tag Ruhetag

Veröffentlicht: 30. Juli 2016 in Radreise 2016

Ich werde den heutigen Tag in Säter verbringen und meine Energievorräte auffüllen sowie einfach relaxen.

Ich befinde mich in der Provinz Dalarna, bekannt durch die Herstellung der bunten, meist rot bemalten, hölzernen Dalarpferde .

Ab morgen steht die letzte Woche meiner Tour an. Jetzt heißt es gut vorsorgen, denn spätestens ab Montag werden die Abstände zwischen den Orten mit Einkaufsmöglichkeit größer. Der nächste Campingplatz scheint dann in Bollnäs zu sein.

Den Ruhetag habe ich richtig gewählt, da auch das Wetter zum faulenzen einlud. Nachmittags habe ich Säter zu Fuß erkundet und in einem typisch schwedischen Cafe‘ Käsekuchen und andere Leckereien verspeist. Damit ich heute mal nicht von meinem Trangia Gebrauch mache, außer Kaffee kochen, gönnte ich mir zum Abend auch noch eine Pizza.

Hier eine Straße in Gammla Säter (Alt Säter)

Nun langt es aber auch, nur nichts tun ist nicht mein Ding, bin froh morgen wieder den Brooks zwischen die Gesäßknochen zu pressen.

Tag 20/27 ist geschafft….hejdå

19. Tag Kloten- Säter 

Veröffentlicht: 29. Juli 2016 in Radreise 2016

Tageskilometer: 93,4 km

Anstieg: 648 m

Wetter: bedeckt, 15 Grad zunehmend heiter 20 Grad

Gestern Abend war ich zufrieden. Zum einen bekam ich von einer Familie aus Sachsen ein echtes deutsches Bier, dass schoß gleich in die Blutbahn, zum andern konnte ich mein Handy aufladen.

Heute morgen nun die Überraschung….Akku leer.

Nun versuche ich über die Runden zu kommen bis ich Dienstag von meiner Frau ein neues mitgebracht bekomme. Ich hoffe auch weiterhin meine Berichte zu schreiben….eventuell dauert dies aber länger.

Wenn auch die Technik schwächelt….mein Körper funktioniert bestens.

Nach dem bunkern von ausreichend Wasser ging es endlich los. Von Kloten bis Malingsbo sehr entspannt weil bergab. Die anschließende 20 Kilometer wellig bis nach Söderbärke. Traumhaft gelegen am  Barken See. Und die Strecke….ich komme ins schwärmen. Wälder und Seen wechseln sich ab. Knochenreste eines Elchbeines am Wegesrand…lebendig habe ich den Elch jedoch noch nicht gesehen.

Über Saxshammar und Torrbo hoffe ich nach Smedjebacken zu kommen…ich brauche einen Supermarkt. Dafür mußte ich den Sverigeleden verlassen. 4 km hin und 4 km zurück.

Nun denn, ich bewege mich jetzt Ca. 30 Kilometer in Richtung Säter. Dort hoffe ich auf den nächsten Campingplatz.

Die Strecke dorthin fuhr ich auf einer Landstraße. Nichts außer Wälder, Wälder, Wälder…..ich mag es. Dazu kommt dieser Schwedenduft, eine Mischung aus Rindenmulch und frischen Fichtennadeln.

Ich hab es bis zum Ljustern See bei Säter geschafft. Meine Beine brennen von den langen Anstiegen. Auf dem CP Säter Camping habe ich gleich für 2 Nächte eingecheckt….ich brauche jetzt mal einen Ruhetag. Außerdem soll ich Dienstag noch Silke, Sven und Lukas treffen….währe doof wenn ich dann schon am Ziel wäre.

Jetzt habe ich dann noch 7 Fahrtage, um nächsten Sonnabend um 14 Uhr in Güssjö zu sein. Ich freue mich.

Mit dem Rad gab es heute keine Probleme, aber die knarschenden Geräusche bleiben. Ich mache drei Kreuze, wenn ich heil da oben ankomme…die Zigarre ist schon ganz aufgeregt.

Tag 19/27 ist geschafft…..hejdå

18. Tag Nora-Kloten

Veröffentlicht: 28. Juli 2016 in Radreise 2016

Tageskilometer: 59,4 km

Anstieg: 692 m

Wetter: zunächst Regen, später zunehmend heiter, 20 Grad.

Es sind diese Tage, da möchte man liegen bleiben, denn es regnet. Eine völlig neue Situation für mich. Wie jetzt Kaffee kochen? Wie frühstücken? Ich schiebe dies nach hinten und fahre erst einmal in die Werkstatt….ohne Frühstück.

Ich glaube der Meister weiß was er tun soll. Ich bitte ihn gleichzeitig meine arg gedehnte Kette zu erneuern, Ersatz habe ich ja mit.

Um 9 Uhr soll ich wiederkommen. Zu Fuß, das Gefühl kenn ich ja gar nicht mehr, stolpere ich zum CP zurück. Frühstücken, Sachen packen, Knie krümmen.

Apropos WC, dieses hier wurde für Untermaßige gebaut. Beim hochziehen der Hosen, also nach vollendeter Tat, hängst du mit dem Hintern am Spülkasten und mit dem Kopf schlägst du gegen die Tür…..wie ich es hasse. Jede Komposttoalett, wie hier jetzt das Plumpsklo heißt, hat mehr Komfort.

Pünktlich um 9 Uhr bekomme ich mein Rad zurück. Zentriert und Kette gewechselt. Leider hat die Felge durch den Schlag eine leichte Umwucht. Es muß nun so gehen, aber ein ungutes Gefühl bleibt.

Um 10 Uhr setze ich mich in Bewegung. Auf relativ ebener, mit gelegentlichen Wellen versehener Strecke, fahre ich zügig entlang des Fåsjön und des Usken in Richtung Storå. In Guldsmedshyttan gönne ich mir in einer Gatukök, einem Imbiss, ein leckeres Hamburger Menü.

Ich fahre immer entlang des sog. Bergslagsleden und fast parallel zur Straße Nr.50.

In Storå finde ich in einer Bushaltestelle zuflucht vor einem Starkregen Schauer. Danach scheint die Sonne als wäre nichts gewesen.

Über diese neu asphaltierte Straße fahre ich bergauf nach Strasså, vorbei an Lagerplatz Nr. 20. Ist auch besser so, hier ist nichts.
Über diese traumhafte Straße erreiche ich Ramsberg. Ab hier wieder Schotterpiste 17 km bis Kloten.

Diese Strecke hatte es wieder in sich. Mehr hoch als runter und dann dieser Schotter. Es heißt, um mal einen Begriff aus der Seefahrt zu verwenden….Wahrschau !!!

Gelandet bin ich nun auf einem Naturcampingplatz in Kloten. Hier befindet sich das größte zusammenhängende Naturreservat Schwedens. Ein Tipp für Wanderer und Kanufahrer.

Typen wie mich werden hier freundlich begrüßt, aber mit fassungslosem Gesichtsausdruck bedacht.

Ich packe alles aus, was ich heute morgen noch halb naß eingepackt habe, spanne mir eine Wäscheleine und habe heute noch Waschtag….doch zuerst…fika

Das ist nichts unanständiges, sondern nur eine Kaffeepause. Ach ja, am Fahrrad entdecke ich eine nicht verschraubte Speiche, hat wohl der Meister vergessen, und….jaaaaaa Nr.3 gebrochen.

Schwupp die schwapp gewechselt…

Tag 18/27 ist geschafft.